Der Chronist der Winde

von Henning Mankell


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Der Chronist der Winde erschien 1995 mit dem Originaltitel Comedia infantil in Stockholm, die Übersetzung folgte im Jahr 2000 in Deutschland. Der Autor Henning Mankell wurde vor allem durch seine Krimireihe Kurt Wallander und seine anderen Afrika-Romane (Tea-Bag, Die rote Antilope) und Filme (Mein Herz schlägt in Afrika, Afrika ist voller Schmetterlinge) bekannt.


Klappentext:
"»Man kann fliegen, ohne sichtbare Flügel zu haben.« Nelio, ein zehnjähriges Straßenkind, erzählt um sein Leben. Er liegt mit einer Schußwunde auf dem Dach eines afrikanischen Hauses und weiß, daß er sterben wird, sobald seine Geschichte zu Ende ist."


Inhalt:
Der Bäcker José Antonio Maria Vaz pflegt das 10-jährige Straßenkind Nelio auf einem Dach einer Bäckerei, Nelio wurde angeschossen. In neun Tagen und Nächten erzählt er von seinem Leben: In Afrika, Mosambik, wurde seine Familie überfallen, sein Vater und seine Schwester brutal ermordet. Er schafft es, in eine größere Stadt zu flüchten (auf dem Weg dorthin trifft er einen Zwerg und einen Mann, der ihm erste Überlebenstricks beibringt) und schließt sich sieben Straßenkindern an. Die schlafen in Kartons, können nur mit Diebstählen überleben. Ihr weniges Geld verdienen sie mit dem Waschen der Autos der Reichen - welches sie vorher selber verschmutzt hatten. Eines Tages wird Nelio Anführer der Straßenkinder und ein Straßenkind todkrank. Sein letzter Wunsch ist es, ein Theaterstück zu sehen. Nelio und die anderen Straßenkinder möchten ihm diesen Wunsch erfüllen - sie brechen dafür nachts in ein Theater ein, um zu proben. Nach der Aufführung wird er von Wachen angeschossen, dort findet ihn Jose Antonio Maria Vaz und hört sich seine Geschichte - die vom Chronisten der Winde an - der weiß, dass er sterben wird, sobald seine Geschichte zu Ende ist ("Die neunte Nacht und die letzte, erwiderte Nelio. Ich fühle, dass ich es nicht mehr lange schaffe. Ich bin schon dabei, mich selber zu verlassen. (...) Keiner kann mich gesund machen, das weißt du.")


Fazit:
Meiner Meinung nach wird das 265-seitenlange Buch nie langweilig, man möchte jederzeit wissen, wie die Geschichte um das Straßenkind Nelio weitergeht - auch wenn man schon zu Beginn des Buches weiß, dass er sterben wird. Das Buch ist sehr spannend und ich kann es guten Gewissens an alle, vor allem an die, die sich für das Land Afrika interessieren, weiterempfehlen. Beeindruckend wird die Armut und der erschütternde Alltag geschildert - mit dem täglichen Überlebenskampf vieler Straßenkinder in diesem Land - die trotz allem Freude am Leben und keinerlei Selbstmitleid haben.


Elmar Krekeler schrieb in der "Welt": "Wer immer dem Chronisten der Winde zugehört hat, wird Afrika anders sehen." Diesem Zitat kann ich mich uneingeschränkt anschließen. Übrigens: Mankells Liebe zu Afrika kommt daher, da er selbst oft in dem Land unterwegs ist (Zweitwohnsitz) und sich auch dafür einsetzt.


1998 erschien der Film "Comedia infantil" zum Buch, der in Maputo (Hauptstadt von Mosambik) gedreht wurde. Einen Trailer könnt ihr euch hier anschauen, ich selbst habe den Film nicht gesehen.


von Andi