Wie ich in der Schule bzw. auf der Uni gelernt habe, weiß ich gar nicht mehr so genau - es ist ja auch schon etwas her

Ich weiß nur, dass ich viel gelesen habe, ich bin ohnehin mehr der Schriftmensch als der Redemensch - mir prägen sich Dinge, die ich gelesen bzw. geschrieben habe, besser ein als reines Zuhören. Deshalb mache ich mir auch gerne Notizen.
Mit 41 bin ich dann der Idee verfallen, mich selbst mal wieder auf den aktuellen Stand meiner Zunft zu bringen (sicher habe ich auch ein wenig die Herausforderung gesucht). Tag für Tag zur Arbeit gehen artet - selbst wenn man einen sehr abwechslungsreichen Job hat - doch irgendwann in Routine aus.
Jedenfalls habe ich in 3 Monaten in Vollzeit meinen Bilanzbuchhalter gemacht. Ich hatte 6 Stunden Unterricht pro Tag und habe dann noch zwei bis drei Stunden den Stoff nachgearbeitet. Allerdings musste ich das Lernen erst mal wieder lernen - man kann das in der Tat auch verlernen. Ich fand es wesentlich leichter, mir den Stoff anhand von Beispielen bzw. Aufgaben zu erarbeiten - das entspricht ja auch der beruflichen Arbeitsweise. Das reine Lesen von theoretischen Erklärungen war mir mittlerweile zu fremd.
Drei Jahre später habe ich noch IFRS-Accountant gemacht. Das war eine Woche Vollzeit-Kurs, danach vier Wochen E-lerning und dann eine Internet-Klausur. Vom Lernen her habe ich es so gemacht wie beim BiBu - also Beispiele rechnen, Lösungswege nachvollziehen etc.
Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, einen längeren Zeitraum hinweg E-lerning zu machen. Man hat kein Feedback und muss die Disziplin aufbringen, auch wirklich zu lernen

- es kontrolliert ja niemand.
Beim BiBu habe ich sehr darauf geachtet, mindestens einen Tag in der Woche lernfrei zu haben - also Dinge zu tun, die nichts mit dem Kurs oder der Prüfung zu tun haben (in ein Museum gehen, shoppen, ein Konzert oder Musik zu hören, ein Buch zu lesen). Das ist genauso wichtig wie die Lernphasen selbst.
Auch am Tag vor Prüfungen habe ich nicht mehr gelernt, sondern bewusst versucht, mich abzulenken und zu entspannen. Leute, die die Bücher erst zuklappen, wenn sie zur Prüfung aufgerufen werden, sind meist so nervös und verspannt, dass sie nichts mehr zustande bekommen
Genauso wichtig wie Entspannungspausen ist regelmäßiger und ausreichender Schlaf. Klingt komisch, aber in ausgeschlafenem Zustand ist man einfach leistungsfähiger
Bei den Fortbildungslehrgängen ist es üblich, die Prüfungsklausuren der letzten Jahre zum Durcharbeiten zu bekommen, damit man sich an die Art der Aufgabenstellung, die Sprache und die Anforderungen gewöhnt. Ich selbst wäre nie auf die Idee gekommen, einen Lehrer um frühere Klausurthemen zu bitten, aber es hilft wirklich. Vor allem verliert man seine Nervosität, wenn man mit der Art der Aufgabenstellung vertraut ist.