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Challenge: Buchzitate

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Autor severinalupin
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Bewertung
5

Zitat 2

Autor: severinalupin
Beta: Ellie Thomas
Altersfreigabe: Keine Altersbeschränkung
Pairing: Keines (Vormund-Mündel-Verhältnis zwischen Severus-Harry)
Kategorie: Drama
Inhalt: Anders als in den Romanen bittet Albus hier Severus Harry zu sich zu nehmen, als sie bemerken, dass er bei seinen Verwandten misshandelt wird … jedoch fühlt das Kind sich auch von seinem neuen Erziehungsberechtigten nicht geliebt …
Disclaimer: Alle Charaktere und das HP-Universum an sich gehören JK Rowling – aber diese FF gehört mir! Ich verdiene kein Geld mit meinen Geschichten hier.
Warnung: Keine


2. „Und du wirst mich immer liebhaben, nicht wahr?“ In einem andern Land von Ernest Hemingway


„Gryffindor!“ rief der sprechende Hut, kaum dass der elfjährige Schwarzhaarige ihn sich aufgesetzt hatte. „Verdammt“, dachte sich der Junge-der-Lebte, als er sich langsam seinem Haustisch näherte, nachdem er vom Hocker gestiegen war. Bedächtig setzte er einen Schritt vor den Anderen, während tosender Applaus ihm von seinem neuen Haus entgegenschallte. Alle versuchten, ihn persönlich willkommen zu heißen oder kameradschaftlich auf die Schulter zu klopfen, derweil er alles tat, damit ihm keiner ansah, wie unglücklich er über diese Wahl war.

Hätte der blöde Hut ihn gefragt, dann hätte er ihm gesagt, dass er nach Slytherin will. Aber das hat dieses verfluchte Stück Stoff leider nicht getan. Es hatte seine strubbeligen Haare kaum berührt, als es auch schon das Haus der Löwen ausrief – wahrscheinlich Aufgrund seiner genetischen Abstammung, denn immerhin war er der leibliche Sohn zweier Paradebeispiele für Gryffindor. Und eigentlich war ja nicht wirklich etwas gegen das Haus zu sagen … es war nur so, dass sein Vormund, dieses nun mal nicht ausstehen konnte und er hätte ihm gerne eine Freude gemacht …

„Das ist voll cool, dass wir im selben Haus gelandet sind!“, schlug ihm Ron Weasley kumpelhaft auf den Rücken, während er sich neben ihn auf die Bank fallen ließ, nachdem auch er zugeteilt wurde. Harry konnte sich gar nicht erinnern, dass er sich zwischen das besserwisserischen Mädchen und den schüchternen Jungen, die er im Hogwartsexpress kennengelernt hatte, gesetzt hatte. Er glaubte sich zu erinnern, dass sie Hermine und Neville hießen. Er war mit dem Zug gekommen, erstens, weil die Erwachsenen meinten, es wäre ein Erlebnis, dass er unbedingt erfahren sollte, und zweitens damit keiner etwas über seine Bindung zu seinem Lehrer erfuhr. Er traute sich nicht, zum Lehrertisch aufzuschauen – denn er wusste, dass ihn von dort zwei rabenschwarze Augen mit Verachtung strafen würden.

Potter war vor zehn Jahren, nachdem seine Eltern von einem wahnsinnigen Schwarzmagier, der die Welt beherrschen wollte, ermordet wurden – der bei dem Versuch, auch den damals Einjährigen zu töten, auf unerklärliche Weise einfach verschwand und dem Baby „nur“ eine Narbe in Form eines Blitzes auf der Stirn zufügte – zur Schwester seiner Mutter, Petunia, deren Mann, Vernon, und Sohn, Dudley, gekommen. Albus Dumbledore hatte dies beschlossen, weil er glaubte, dass es für den Kleinen das Beste sein würde, fernab der Heldenverehrung, hier in der Zaubererwelt, aufzuwachsen. Ein großer Fehler. Ein weiterer war, dass er nie kontrollieren ließ, wie die Verwandten des Jungen ihn behandelten – oder besser gesagt misshandelten. Es waren zwar verschiedene Hexen und Zauberer darauf angesetzt, zu sorgen, dass keine Todesser ihn fanden, aber das die Gefahr in den eigenen vier Wänden drohte, das bekamen die nicht wirklich mit, bis im Sommer letzten Jahres, Remus Lupin eingeteilt war, ein Auge auf den Buben zu werfen.

Es war gerade zum Beginn der Ferien und die Dursleys waren doch tatsächlich in den Urlaub gefahren und hatten ihren Neffen, beziehungsweise Cousin, eingesperrt in seinem Kämmerchen unter der Treppe, mit einem Kübel Wasser, zum Trinken, einem leeren Kübel, um sich zu entleeren und einen großen Laib Brot – sodass er in der Woche, die sie am Strand verbringen wollten, weder verdursten, noch verhungern würde – zurückgelassen. Der Gryffindor rettete den Jungen aus dieser traurigen Situation und hätte ihn am liebsten bei sich behalten, aber Albus wusste, dass das Ministerium es niemals zu lassen würde, dass ein registrierter Werwolf ein Kind adoptierte. Er selbst kam auch nicht in Frage, da er viel zu beschäftigt war, aber er beschloss, seinem treuen Untergebenen Severus Snape mit der Obsorge von Lilys Sohn zu beauftragen. Da der Lehrer für Tränkekunde vom Ministerium frei gesprochen wurde, hätten sie sicher nichts dagegen einzuwenden, ihm die Vormundschaft für den Jungen zu geben. Der Ex-Todesser wehrte sich zwar anfangs mit Händen und Füßen gegen diese Aufgabe, konnte aber, wie üblich, nichts gegen seinen Vorgesetzten und dessen Willen tun.

Auch alle logischen Argumente, die der ehemalige Spion vorgebracht hatte, waren am Oberhaupt des Orden des Phönix abgeprallt, wie Regentropen an einer Fensterscheibe. Immerhin fand er, dass er, Aufgrund seiner Vergangenheit, Gegenwart und, vor allem, seiner Zukunft eine Gefahr für den Jungen darstellte, da er in seiner Position als Spion ständig mit Voldemort in Verbindung stand – aber das wurde abgewiegelt. Weil es im Moment angeblich das Beste wäre. Pfff… so ein Blödsinn! Arthur Weasley, der im Ministerium arbeitete, wurde – erfolgreich – beauftragt, die offizielle Legalisierung der Vormundschaft geheim zu halten und somit drohte Augenblicklich gar nichts – denn es wusste ja niemand darüber Bescheid. Das der notorische Einzelgänger, seine mangelnden Fähigkeiten als Vaterersatz, bis ins Detail darlegte, wurde mit einem „Paperlapap“ weggewischt – er habe als Lehrer genug Erfahrungen für diese Rolle sammeln können, meinte der Schulleiter schlichtweg. Gegen Ende der sinnlosen Diskussion kam dann – wie üblich – der Druck, von wegen, „das schuldest du Lily“ und „du stehst in James Lebensschuld, wegen damals, also der Geschichte mit Sirius und Remus in der Heulenden Hütte an Vollmond“ und „auch wegen der Prophezeiung, die du ja verraten hast, und damit eine Teilschuld trägst, an dem was dann passiert ist“ …

Severus Leben änderte sich radikal. Früher verbrachte er selbst seine Freizeit in Hogwarts, da er sich in seinen Kerkern wohler fühlte als sonst wo – aber jetzt musste er sich, auf Albus Geheiß hin, in seinem Elternhaus in Spinners End einquartieren, um dem Kind ein Zuhause zu geben. Sonst pflegte er, in den Zeiten, wo es ihm erlaubt war, die Einsamkeit, jetzt musste er 24 Stunden am Tag für ein Kind sorgen. Noch dazu nicht irgendein Kind – sondern der Sohn seines Erzrivalen aus der Schulzeit, der dem auch noch zum Verwechseln ähnlich sah. James hatte ihn – immer verstärkt von seinen Freunden – sieben Jahre lang gedemütigt, wo er nur konnte und jetzt musste er auf dessen Brut aufpassen. Das Leben war grausam, dachte sich der Tränkemeister, sich in Selbstmitleid suhlend.

Nachdem der Sommer vorbei war, hoffte er schon sich diesem unangenehmen Auftrag entledigen zu können, aber sein Mentor machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Er entband ihn von all seinen Pflichten außerhalb des Unterrichtes. Ja, er musste sogar seinen Posten als Hauslehrer von Slytherin für ein Jahr an den amtierenden Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste – José Ortega, aus Guatemala – abtretten, was ihn ungemein ärgerte. Der Direktor hatte den Stundenplan so organisiert, dass alle Tränkestunden an den Vormittagen stattfanden. Der Lehrer dieses Faches hatte dadurch zwar keine einzige Freistunde mehr zwischen 8 – 14 Uhr, aber er konnte dann gleich nach Hause. Das traf sich insoweit gut, dass Harry, von seinem Schulbesuch in Spinners End, und sein Vormund meist gleichzeitig zu Hause ankamen.

Sie hatten sich irgendwie zusammengerauft, doch warm oder herzlich konnte man ihre Beziehung nicht nennen. Anfangs behandelte der Ältere den Jüngeren sehr von oben herab und betonte ständig, dass ihm sein Heldenstatus bei ihm nichts bringen würde – aber er erkannte schnell, dass der Junge selbst, überhaupt nicht arrogant war oder sich als etwas besseres fühlte – auch wenn die komplette magische Welt in ihm DEN Auserwählten sah. Gut – er hatte bis jetzt kaum Kontakt zu dieser Welt, denn sein Vormund lebte ein sehr zurückgezogenes Leben und der Schuldirektor fand auch, dass es das Beste wäre, wenn so wenig Menschen wie möglich wussten, dass DER Harry Potter in Obhut von Severus Snape wohnte – denn die Schutzzauber die auf ihrem Haus lagen, waren nicht so stark wie die Blutmagie, die den Knaben am Ligusterweg geschützt hatten. So waren Albus und Remus die Einzigen, die hin und wieder zu Besuch kamen und dem jungen Magier etwas Gesellschaft leisteten. Denn außer ihnen kannte nur noch Arthur die Wahrheit und dem wurde sogar untersagt, es seiner Familie zu erzählen.

Der Schwarzäugige musste sich, als der Junge bei ihm einzog, auch sehr zusammenreißen, um ihm nicht an den Kopf zu werfen, dass er ab jetzt nicht mehr verhätschelt werden würde – da er ja von Remus erfahren hatte, dass dies gar nie der Fall war, so wie es sich immer alle ausgemalt hatten. Da der Erwachsene nun mal in der Lage war, für das Kind seiner ehemals besten Freundin zu sorgen, hatte er beschlossen, ihm dreimal am Tag eine entsprechende Mahlzeit zu geben, ihn mit Kleidung und was man sonst so braucht zu versorgen und darauf zu achten, dass er sich täglich, vor dem zu Bett gehen, duschte und Zähne putzte. Zusätzlich sah er es als seinen Auftrag, die Bildungslücke die bestand, da er fern ab der Zaubererschaft aufgewachsen war, zu füllen und unterrichtete ihn in allem, wozu man keinen Zauberstab brauchte – denn den bekam er ja erst zum Schuleintritt. Auch brachte er ihm „Benehmen“ bei, wie er es nannte – denn diese abartige Familie, die bis jetzt für ihn da war, oder eben nicht, hatte ihm rein gar nichts beigebracht. Es grenzte an ein Wunder, dass der Junge so normal und vor allem freundlich war, nach allem, was er erlebt hatte.

Harry überwand seine Angst und schaute rauf zu den Lehrern und als sein Blick auf seinen Vormund fiel, bedrückte es ihn mehr, dass dieser ihn nicht beachtete, wie wenn er ihn wütend in Grund und Boden gestarrt hätte. Wahrscheinlich bin ich es ihm nicht einmal wert, dass er sich darüber ärgert, dass ich nicht in sein Haus gekommen bin. Severus war wieder der Hauslehrer der Schlangen geworden, jetzt wo er wieder im Schloss lebte, da sein Mündel nun auch hier zur Schule ging. Sein Direktor hatte den jungen Gryffindor gebeten es nicht an die große Glocke zu hängen, dass er zu seinem Tränkelehrer gehörte, sondern, wenn er gefragt wurde, sollte er nur von seiner Tante reden, bei der er ja lange gelebt hatte. Da Potter jedoch nicht gerne von seinen Verwandten sprach, nahm er sich vor, diesem Thema einfach aus dem Weg zu gehen.

Die erste Woche verging und er hatte seinen Vaterersatz nur beim Unterricht und von der Ferne bei den gemeinsamen Mahlzeiten gesehen. Dieser hatte ihn größtenteils ignoriert oder ihn behandelt, wie jeden anderen Gryffindor – aber an und für sich, hatte er ihm dies auch gesagt, bevor er ihn zum Bahnhof gebracht hatte, wo er ihn noch am Parkplatz verabschiedet hatte – bevor er an seinen Arbeitsplatz apparierte – und meinte: „Du weißt ja, dass der Schulleiter meint, es wäre besser, wenn unsere Bindung nicht bekannt wird – wobei ich selbst noch nicht weiß, ob das wirklich funktionieren wird und vor allem wozu es gut sein soll … aber lass es uns erst einmal probieren. Das Bedeutet dann natürlich, dass ich dich genauso wie jeden anderen Schüler behandeln werde.“

„Natürlich, Sir. Auch ich werde mich bemühen, mich Ihnen gegenüber wie allen anderen Lehrern gegenüber zu verhalten“, antwortete der Brillenträger gehorsam. Im Normalfall duzten sie sich mittlerweile Gegenseitig – was zu Beginn noch ganz anders war – aber diesen Satz betonte der Junge höflich distanziert, um sich schon einmal daran zu gewöhnen. Aber mit dem Verstand zu wissen, dass etwas „wie besprochen“ sein würde, weil es besser so war, und es zu erleben, und mit dem Herzen den Schmerz darüber zu empfinden – das waren zwei Paar Schuhe!

Am Freitag nach dem Abendessen passte der Lehrer seinen Schüler in der Eingangshalle ab: „Potter! Auf ein Wort.“ Erst wollte Ron seinen Freund zu ihrem Professor, der bei der Treppe runter in die Kerker stand, begleiten, aber auf dessen strengen Blick hin, meinte er entschuldigend: „Ich gehe dann schon mal in den Gemeinschaftsraum.“ Harry nickte ihm beruhigend zu und trat zu seinem Vormund: „Sir?“ Da der Spion nicht belauscht werden wollte, schritt er zu seinem Büro, dicht gefolgt von seinem Ziehsohn. Nach dem Schließen der Holztür, entspannte sich der Ältere sichtlich und fragte: „Wie geht´s dir?“

Harry war nicht darauf gefasst, plötzlich wieder persönlich von seinem Erziehungsberechtigen angesprochen zu werden – da der Knabe sich die letzten Tage gekonnt eingeredet hatte, dass der Erwachsene so rein gar kein privates Interesse an ihm hatte. Vergessen war die Tatsache, dass dieser sein komplettes Leben für ihn umgekrempelt hatte und seit etwas mehr als ein Jahr für ihn sorgte und es ihm an nichts fehlte. Nun ja, ganz stimmte es ja auch nicht – denn es fehlte ihm etwas. Und zwar etwas Herzlichkeit. Snape kümmerte sich um sein leibliches Wohl – das stimmte – aber er schaffte es nicht, den Jungen mal in den Arm zu nehmen oder ihm abends zu Bett zu bringen und ihn zuzudecken. Nur als er, vor knapp einem Monat, eine üble Grippe hatte, da brachte sein Vormund ihm Tränke ans Bett, entsorgte die Unmengen an gebrauchten Taschentüchern, tupfte seine heiße Stirn ab mit feuchten, kühlen Tüchern und deckte ihn sogar liebevoll zu, bevor er sich an sein Bett setzte, um über ihn zu wachen.

Harry – der so ein Benehmen ihm gegenüber nicht kannte – fühlte sich trotz der schweren Erkrankung regelrecht im Paradies. Auch Severus gefiel die Vertrautheit die sich ergab, aber da sein Vorgesetzter ihm befohlen hatte, in Hogwarts eine reine Lehrer-Schüler-Beziehung zu seinem Ziehsohn zu haben, distanzierte er sich nach dem Vorfall wieder etwas von dem Kleinen. Es war passiert, was der Ex-Todesser niemals für möglich gehalten hatte – der Junge war ihm ans Herz gewachsen. Eigentlich war er überzeugt gewesen, dass dieses Organ bei ihm gar nicht mehr im Stande war, zu fühlen, aber er wurde eines Besseren belehrt.

„Danke, Sir. Es geht“, antwortete der Gryffindor etwas verunsichert. Es schmerzte Snape, dass der Junge so reagierte, aber er konnte es verstehen – trotzdem wagte er einen erneuten Versuch, wenigstens im Geheimen, wenn sie alleine waren, ein persönliches Verhältnis mit seinem Mündel zu pflegen: „Ich habe morgen keine Aufsichtspflichten, was auch bedeutet, dass ich zu keiner der Mahlzeiten anwesend sein muss, wenn du magst, könnten wir den Tag gemeinsam verbringen. Ich wollte einen interessanten Trank brauen und wenn du magst, könntest du mir, wie auch Zuhause manchmal, dabei assistieren.“

„Oh …“, murmelte Harry verlegen auf den Boden blickend.

„Was ist denn?“

„Es tut mir leid, Sir, aber Hagrid hat Ron und mich zu sich eingeladen. Wir dürfen kommen, sobald wir aufwachen, hat er gesagt, und können ihm dann helfen, die verletzten Tiere, die er gerade zur Pflege bei sich bei seiner Hütte hat, zu versorgen. Da ist ein Einhornfohlen dabei, hat er gesagt. Und wir dürfen bei ihm Essen und den Tag dort verbringen …“, erzählte das Kind mit der Narbe aufgeregt. Na ja, mit einem Einhornfohlen konnte er natürlich nicht konkurrieren, dachte sich der Mann mit den schwarzen, schulterlangen, glatten Haaren – es kränkte ihn ein wenig, dass der Junge lieber mit wem anderen seine Zeit verbrachte, aber er war ja selber Schuld … er konnte ihn nicht auf Distanz halten und sich dann wundern, wenn der Bub die Leere, die er hinterließ, anders füllte.

„Vielleicht klappt es ja nächsten Samstag?“, fragte Harry von unten zu ihm heraufschauend, da er wegen dem Verhalten von seinem Erzieher, nun doch wieder Hoffnung schöpfte, dass dieser ein gewisses Interesse an ihm haben könnte. „Da habe ich Aufsicht“, konterte Severus mit einem Hauch Wehmut, aber als er den traurig werdenden Blick seines Mündels sah, meinte er weiter: „Aber den Samstag in zwei Wochen, reservier für uns, in Ordnung?“

Da der Lehrer für Tränkekunde unter der Woche immer so streng war und auch unfair gegenüber seinem Haus, fiel es Harry an den seltenen Samstagen, die sie Privat gemeinsam verbrachten, wirklich schwer sich ihm persönlich zu nähern – ganz im Gegenteil kapselte er sich regelrecht von ihm ab. Snape konnte es absolut nachvollziehen, er würde sich selbst auch die kalte Schulter zeigen, wenn er so behandelt werden würde – aber es war ein direkter Befehl des Ordens des Phönix, dass es jetzt besonders wichtig war, dass der Spion seine Position, innerhalb der Anhänger von Voldemort, festigen musste, denn die Rückkehr des Schwarzmagiers stand bevor – davon waren sie überzeugt – und es war unabdingbar, dass der Ex-Todesser seine alte Rolle wieder aufnahm. Auch wenn er sich selbst fragte, wie er es dem dunklen Lord erklären sollte, dass er Harrys Vormund war, wenn es irgendwann einmal rauskäme – oder besser gesagt, wie er ihm dann klar machen sollte, dass er ihm den Jungen trotzdem nicht auf dem Silbertablett servieren konnte? Aber wie sagte Albus immer, ein Schritt nach dem Anderen – auf dieses Problem, wird es eine Lösung geben, sobald es Aktuell ist.

Nach zwei Monaten Schule beschloss der Erwachsene aufzuhören damit, sich zu bemühen, mit Lilys Sohn eine Vater-Sohn-Beziehung zu erhalten. Es war an Halloween, das er diese Entscheidung fällte. Nach dem Festtagsschmaus würde er ihn sich kurz beiseite holen und ihm sagen, dass er sich keine Wochenenden mehr für ihn freihalten sollte, denn diese ganze Sache zwischen ihnen würde sowieso niemals funktionieren. Warum nur zwang Albus ihn auch noch, an diesem schrecklichen Datum, an diesem elenden Essen teilzunehmen? Es war grausam! Er trauerte so um seine verstorbene Lily und musste hier sitzen und das Lachen der Kinder ertragen, während die Schuld, dass heute vor zehn Jahren, Voldemort seine große und einzige Liebe ermordet hatte, ihn regelrecht zu erdrücken drohte.

Dann überschlugen sich die Ereignisse, Quirrell wurde mitten in der großen Halle ohnmächtig, nachdem er sie informierte, dass ein Troll im Schloss war, Chaos brach aus, mit Müh´ und Not, brachten sie die Schüler in Sicherheit und Severus gehörte zu denjenigen die den Troll suchten, um ihn zu eliminieren. Es waren jedoch sein Ziehsohn, dessen rothaariger Freund und die kleine, braunhaarige Besserwisserin, die dies erledigten. Das Herz des Ersatzvaters wäre fast stehengeblieben, als er seinen Jungen in der Toilette fand, mit dem erschlagenen Troll und den anderen beiden Gryffindors.

Irgendwie schaffte Snape es, Lilys Kind nach den Ereignissen, mit in seine Räumlichkeiten zu nehmen, da er McGonagall vormachte, dass Albus ihn noch sprechen wollte und er ihn dann persönlich ins Bett bringen würde. Da sie sich um Hermine und Ron kümmern wollte, vertraute sie einfach auf ihren Kollegen. Dieser nahm seinen Schüler schnurstracks in sein Privatreich und zog ihn in eine ganz feste Umarmung, nachdem sie endlich alleine und unbeobachtet waren. Der Knabe, der mit einer gewaltigen Strafpredigt gerechnet hatte, war vollkommen überfordert und begann, ohne es zu wollen und auch ohne es kontrollieren zu können, zu weinen – ohne sich wirklich bewusst zu sein, warum …

Sein Mentor weinte zwar nicht, aber er drückte ihn so fest an sich, als würde sein Leben davon abhängen. „Mach das nie wieder! Harry! Hörst du mich? Bring dich nie wieder so in Gefahr!“, sprach der Mann mit einer ungewöhnlich emotionalen Stimme in die zerzausten Haare seines Jungen, denn er am liebsten nie wieder loslassen wollte. „Es tut mir leid“, schluchzte der Gryffindor, immer wieder, an der Brust seines Vaterersatzes. Als sie sich doch wieder etwas voneinander lösten, schob der Erwachsene den Minderjährigen etwas von sich weg und betrachtete ihn genau: „Bist du verletzt? Tut dir was weh? Was hast du dir nur dabei gedacht!“ Ohne auf Antworten zu warten, begann er die Kratzer und Prellungen zu versorgen und auch mit seinem Zauberstab die Kleidung wieder in Ordnung zu bringen. Am Ende musste der arme Knabe noch einen ekelhaften Aufpäppeltrank trinken, der ihm aber auch alle Schmerzen nahm – wofür er schon sehr dankbar war.

Harry seufzte. Severus blickte ihn an. Er trat zu dem Jüngeren und kniete sich, vor dem auf dem Sofa Sitzenden, hin, um auf Augenhöhe zu sein und fragte: „Was ist, mein Junge?“ James Sohn sah bei diesen Worten fast verzweifelt zu seinem Erziehungsberechtigten. Nun atmete auch der Ältere schwer aus: „Es tut mir leid, ich kann mir vorstellen, dass es schrecklich für dich ist, das ich vor anderen immer absolut unnahbar bin und wenn wir alleine sind dann … na ja … vielleicht nicht gerade der Herzlichste … aber doch … versuche ich … also … du weißt schon … ich bin nicht dein Vater … und ich will ihn auch nicht ersetzen … aber ich will für dich da sein …“ „Aber ich bin doch ein Gryffindor geworden?“, stöhnte Rons bester Freund gequält. „Na und?“, lächelte Snape kurz auf, „es wäre auch vollkommen undenkbar gewesen, dass du etwas anderes wirst.“ „Aber du hasst Gryffindors!“, bestand der Kleine auf sein Argument. „Ich habe dir doch erklärt, dass dieses Schauspiel leider notwendig ist“, versuchte der Lehrer sein Handeln zu rechtfertigen. „Aber du hasst meinen Vater“, zählte sein Ziehsohn weiter Gründe auf, „was ich ja auch gut verstehe.“ „Wieso? Was genau meinst du?“, wollte Snape wissen und ahnte schon Schreckliches. „´tschuldige, aber Remus hat mir von früher erzählt“, flüsterte der Knabe, verlegen auf den Boden schauend, denn der Werwolf hatte ihn eindrücklich gebeten, es seinem Vormund nicht zu erzählen, dass er wusste, dass sein Vater, zusammen mit dem Rest der Rumtreiber, den Slytherin während ihrer Schulzeit aufs schlimmste gemobbt hatte. Lupin hatte es dem Jungen erzählt, weil dieser ihm verzweifelt gestand, dass es egal ist, was er machte, der Ältere war nie zufrieden und er warf ihm immer vor, genauso arrogant wie sein Vater zu sein. Das war noch ziemlich am Anfang ihres Zusammenlebens passiert und der dunkelblonde Mann war überzeugt, dass das Wissen über die Vergangenheit von Severus, Harry helfen würde, besser mit ihm umzugehen. Was auch stimmte. Es half Harry das Verhalten seines Erziehungsberechtigten besser zu verstehen und daher besser damit umzugehen – und ihr Verhältnis verbesserte sich dadurch ungemein.

„Oh“, brachte der Lehrer kurz hervor und atmete tief durch, um sich zu beruhigen – denn es gefiel ihm überhaupt nicht, dass die beiden über ihn geredet hatten und der Knabe jetzt wusste, wie er als Kind erniedrigt wurde … aber als er seinem Jungen wieder in die Augen schaute, hatte er sich damit abgefunden und abgeschlossen. „Das ist in Ordnung – und ja, du weißt ja selbst, dass ich dir anfangs öfters einmal vorgeworfen habe, dass du deinem Vater ähnelst. Aber das stimmt nicht. Du hast viel mehr von deiner Mutter. Sie war ein herzensguter Mensch und so selbstlos. Genauso wie du. Immer da für seine Freunde! Du bist ein wundervoller Junge! Glaube mir! Das weiß ich“, gestand der sonst, nach außen, so emotionslos wirkende Mann, sehr gefühlvoll. „Das heißt du machst mir keine Vorwürfe deshalb?“, erkundigte sich sein Ziehsohn hoffnungsvoll. „Nein, mein Junge“, sagte der Angesprochene regelrecht zärtlich. Den Gryffindor hielt nichts mehr – er warf sich an den Hals seines Lehrers und schluchzte: „Und du wirst mich immer liebhaben, nicht wahr?“ „Natürlich, mein Junge!“, sagte der Mann, mehr als bewegt und wuschelte seinem Ziehsohn durch die zerzausten Haare, während er ihn mit dem anderen Arm weiter an sich drückte, „immer! Egal was passiert!“

Fin


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