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Dem Mond hinterher

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Autor Kangaroo
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Die Nacht war tatsächlich sehr kurz, aber Lupin erwachte schon vor Sonnenaufgang. Ausgeruht. Obwohl er gut geschlafen hatte. Vielleicht auch, weil er gut geschlafen hatte.
Als er aus dem kleinen Bad wieder in sein Zimmer trat, stand das von Dumbledore versprochene reichhaltige Frühstück auf dem Tisch unter dem Fenster. Herrlich! Er nahm sich ein Brötchen und bestrich es mit Marmelade. Als er es sich in den Mund steckte und den Umhang überwarf, sah er die dampfenden Eierkuchen neben dem Pudding. Es waren eindeutig viel zu viele für ihn alleine (das ganze Frühstück war viel zu viel für ihn alleine) und die Servietten und das hübsch karierte Picknicktuch waren bestimmt auch kein Zufall. Also verschlang er sein Brötchen mit großen Bissen, spülte mit einem Glas Kürbissaft nach und wickelte Eierkuchen und Servietten in das Tuch ein. Er schnappte sich den Portschlüssel und seinen Zauberstab, die zusammen mit dem Proviantbeutel in seinem Umhang verschwanden und verließ das Schloss.
Während er die Treppen und dann das Gelände hinunter lief und einen Eierkuchen aß, grübelte er darüber nach, was in den letzten Stunden im Wald passiert sein könnte und wo er am besten apparieren konnte. Als Lupin zwischen die Flügeltüren hindurch ging, hatte er sich entschieden. Er schluckte den letzten Bissen hinunter, drehte sich um seine eigene Achse und verschwand.

Genauso wie man auf verschiedene Arten mit einem Boot über einen See fahren kann, so kann man auch auf ganz verschiedene Arten apparieren. Zum einen gibt es da die schnelle Art, die Speed-Boot-Art. Die, die vorne eine mächtige Gischt und hinten große Wellen mit sich bringt. Wenn man also einfach nur schnell verschwinden oder an einem anderen Ort auftauchen möchte, dann geschieht das nicht nur gelegentlich mit einem lauten Knall. Gischt und Heckwellen. Paddelt man jedoch mit seinem Ruderboot über einen See oder lässt sich einfach nur treiben, so sieht man weder spritzendes Wasser vorn noch diese Wasserberge und -täler dahinter, die ein Speed-Boot-Fahrer mit sich bringt. Keine Aufwirbelungen … nur das Boot. Analog das Apparieren mit Bedacht. Geht man es ruhig an, entsteht weder beim Disapparieren ein Vakuum, was durch einen Knall mit Luft gefüllt wird, noch verdrängt man beim Apparieren mit einem Schlag knapp ein Viertel Kubikmeter Luft. Man fühlt sich hinaus und auch wieder hinein. Man lässt sich treiben, wie ein gemütlicher Ruderbootfahrer auf einem See, der sich eine Pause vom vielen Paddeln gönnt.
Lupin tastete sich seinen Weg vorwärts, was die Sache nicht angenehmer machte. Nein! Die Luft wurde einem noch länger abgeschnürt und als er mit weniger als einem Flop neben einer großen Kiefer auftauchte, bemühte er sich, ein Husten zu unterdrücken. Es gelang ihm, was der kurzen Qual wenigstens etwas Positives abgewann.
Im Wald war es stockduster, trotzdem desillusionierte sich Lupin - nur für den Fall. Dann blieb er geschlagene fünf Minuten an Ort und Stelle stehen, um sich zu orientieren. Danach lief er los.
Ein Schimmer zog sich durch das Gehölz, während Lupin versuchte etwas zu erkennen, was ihm womöglich bekannt vorkommen könnte. Tatsächlich erkannte er schon nach wenigen Metern, den Weg, den er zusammen mit Keira am gestrigen Tag gegangen war. Nun zischte der Schimmer schnell durch die Bäume, doch man konnte dahinter nur einen Menschen erkennen, wenn man wusste, dass dort einer war.
Lupin zog durch den Wald und hatte trotz seiner Zielstrebigkeit noch keine Ahnung, wie er diesen verdammten Baum finden sollte. Es war nicht umsonst ein geheimes Versteck. Und er war nun schon zwei Mal stehen geblieben, weil er sicher war, die gesuchte Eiche gesehen zu haben. Erst als er dachte, schon daran vorbeigelaufen zu sein (Er musste schon daran vorbeigekommen sein!), blieb Lupin urplötzlich stehen und verschmolz gänzlich mit seiner Umgebung.
Der Grund seines Haltens war ein niedrig hängender Ast. Oder besser gesagt, das, was sich auf dem Ast befand. Dort, kurz über seinem Kopf, stand ein kleines, geschnitztes Holzpferd und blickte nach links. Das war interessant.
Langsam hob er die Hand und holte das Pferd von seinem Aussichtspunkt. Die Sonne, die gerade erst aufgegangen war, blinzelte durch die Blätter des Waldes. Ein hölzernes Pferd schien in der Luft zu schweben und sonnte sich in den ersten Strahlen. Dann verschwand es plötzlich und der Schimmer, der schon einige Minuten durch den Wald gehuscht war, bewegte sich wieder - nach links … auf einen dicken Baum zu, eine Eiche, wenn man genauer hinsah, mit zwei dicken Wurzeln, die mit viel Phantasie einen Eingang zu bilden schienen. Lupin verschwand zwischen den Wurzeln und rutschte die Rampe zum Versteck hinunter.
Er kam hart auf und spürte deutlich seine Knie, als sich auch schon ein kräftiger Arm um seinen eigentlich unsichtbaren Oberkörper schloss. Er konnte sich jedoch nicht lange Gedanken über diese Kuriosität machen, denn einen Augenblick später wurde ihm schon das zweite Mal in diesem Sommer die Kehle zugedrückt - und das auch noch von ein und der selben Person.
Keiras fesselnd blaue Augen kamen näher wie auch ihr Zauberstab. Sie tippte damit auf seinen Kopf und er nahm wieder seine eigenen Farben an. Ein Keuchen hinter ihm »Remus!« und schon ließ Tian ihn los. Die junge, mutige Frau vor ihm jedoch tat nicht der gleichen und kam noch näher. Lupin spürte wie fremde Hände in seinem Kopf herumtasteten. Er spürte wie sie versuchte, ein Missverständnis auszuschließen, die Wahrheit oder viel mehr die wahre Identität des Mannes herauszufinden, dessen Kehle zwischen ihren Fingern zusammengedrückt wurde. Ihr Zauberstab ruhte an seiner Schläfe. Eine verdammt beschissene Situation - vor allem, weil er kurz vor dem Ersticken war.
»Du hast Eierkuchen mitgebracht?«
Sie ließ ihn los und umarmte ihn. In seinem Kopf hörte er ein erleichtertes Endlich! Und erst jetzt schaffte er es krächzend Luft zu holen. Er hustete zwei oder drei Mal, während Keira ihn wieder los ließ, versuchte es noch einmal und schon musste er wieder husten. Die Luft rasselte durch seine Kehle und schwarze Punkte erschienen vor seinen Augen. Tian stützte ihn, während die beiden Keira in den hinteren Teil der Höhle folgten.
»Ein netter Empfang.« Die Worte fühlten sich an, als kämen sie aus einem Loch in seinem Hals, doch als er ihn abtastete, konnte er keines finden.
»Entschuldige, Remus.«, sagte Tian und reichte ihm eine Flasche Wasser. »Aber wenn du hier so desillusioniert reinschneist …« Er merkte, was er gerade gesagt hatte und fing an zu glucksen. Lupin lächelte, obwohl er es gar nicht so lustig fand, nahm einen Schluck, der in seinem Hals brannte, und warf Keira einen flüchtigen Blick zu. Sie zwinkerte und er meinte etwas darin zu lesen wie: Nur zur Sicherheit. Natürlich nur zur Sicherheit und trotzdem war er sauer, doch es brachte ihn auch auf den nächsten Gedanken.
»Was ist passiert?«, fragte er und nahm noch einen Schluck. Er machte niemanden Vorwürfe (außer vielleicht immer noch Keira - für ihre zwei Sekunden zu lange Hartnäckigkeit), aber er würde schon gerne erfahren, warum er sich hatte die Luft abquetschen lassen.
»Keira hat gesagt, dass sie womöglich nicht ganz unentdeckt wieder bis hier her gekommen ist.«, antwortete Bill.
»Reine Vorsichtsmaßnahme, Remus. Ich hoffe, du kannst mir verzeihen.«, sagte Keira bevor Lupin nachhaken konnte. Sie lächelte und alle Rachegelüste verschwanden aus seinen Gedanken. Man konnte dieser Frau nicht lange böse sein. Er zwinkerte ihr noch einmal böse zu, lächelte dann aber auch.
»Als du weg warst, habe ich einen Stein explodieren lassen und bin im Laufe des Durcheinanders disappariert.«, fuhr sie fort. »Zwei Meilen nördlich dieses Baumes bin ich wieder aufgetaucht, um mich bis hier her durchzuschlagen. Auf meinen Weg habe ich zwar niemanden gesehen, aber sicher war ich mir nicht.«
»Wir haben uns dann überlegt, wie wir dir helfen können, die Eiche hier wieder zu finden. Hast du das Holzpferd gefunden?«, übernahm Liza.
»Oh … jaha …« Er zog das Tier aus seinem Umhang und warf es Johnny zu. »Es hat mir tatsächlich eine groß angelegte Suche erspart. Ich dacht schon, ich wäre dran vorbei gelaufen.«
»Wir wussten nicht, ob es dem Flattermann oder einen von seinen auffallen würde.« Bill war an der Reihe. »Deshalb die-«
»Vorsichtsmaßnahmen.«, ergänzte Lupin und fuhr sich über seinen Hals. »Übrigens habe ich Eierkuchen mitgebracht.« Er warf Keira einen weiteren Blick zu und sie zwinkerte noch einmal, diesmal ein breites Grinsen auf den Lippen.
Die duftenden Scheiben waren sogar noch warm und so viele, dass selbst Lupin noch einen abbekam. Sie schmeckten herrlich.
»Und? Wie ist es bei dir gelaufen?«, fragte Bill zwischen zwei Bissen.
»Nicht schlecht.«, antwortete der Gefragte und schluckte. »Der Jackpot ist es nicht, aber -«
»Was? Wir haben im Lotto gewonnen?«, unterbrach Keira ihn mit einer so unwissenden Kindlichkeit in der Stimme, dass die meisten in ihren Eierkuchen prusteten. Selbst Lupin musste sich ein paar Tränen aus dem Augenwinkel wischen, bevor er weiter sprach.
»Nicht ganz, Keira, und das, was Dumbledore besorgen konnte, ist außerdem stark ministeriumsbehaftet.« Er griff in seinen Umhang und warf Keira den von Motten angefressenen Portschlüssel rüber. »Ein abgetragener Umhang und ein Ferienhaus irgendwo in England.«, sagte er dazu und grinste noch immer.
Sie schüttelte den Umhang auseinander und betrachtete ihn mit hochgezogenen Augenbrauen. »Chic. Ich würde sagen Baujahr vor 1980 und gut gehütet in einer Besenkammer. Ein echter Oldy! Und damit wollen wir verreisen?«, fragte sie und erneut fingen einige an zu glucksen. Sie blickte Remus mit einem Siegerlächeln an. Er verstand es erst nicht, doch als er die Erschöpfung in ihren Augen erkannte, wusste er, was los war. Keira hatte es mal wieder geschafft, den Menschen Hoffnung zu geben, indem sie lachten. Sie hatte ihre Arbeit getan, für heute. Wahrscheinlich war sie sogar die halbe Nacht wach gewesen - mit Sicherheit. Kein Wunder, dass sie erschöpft war. Doch da das Ministerium ihm wahrscheinlich auf den Fersen war, durften sie jetzt keine Zeit verschwenden. Er glaubte zwar immer noch nicht, dass das Zaubereiministerium nicht registrierte Portschlüssel ohne Hinweis ausfindig machen konnte, aber wenn sie Dumbledore überwachten, dann bestand eine gewisse Wahrscheinlichkeit.
»Was meinst du mit minitseriumsbehaftet, Remus?«, fragte Liza und richtete sich stöhnend auf. Sie sah nicht gut aus.
»Das werden wir sehen, wenn es soweit ist. Am besten ist es aber, wir werden diesen Tarnumhang so schnell wie möglich los.«
»Und wie machen wir das?«, fragte Secco.
»Indem wir so schnell wie möglich von hier verschwinden.«, antwortete Keira und warf den Umhang wieder zu Lupin.
»Ist es ein sicherer Ort, zu dem uns der Portschlüssel bringt?«
»Ja, Liza, ich denke schon.«
»Na dann, worauf warten wir noch? Lasst uns aufbrechen.«, schlug sie enthusiastisch vor und rappelte sich hoch. Lupin staunte drüber, dass sie trotz Blässe nicht schwankte.
»Möchtest du, dass wir eine Aufstellung planen, Remus?«, fragte Bill, während sich alle anderen auch erhoben.
»Wäre angebracht.«, stimmte er zu und zeigte mit dem Daumen hinter sich auf den Ausgang. »Wenn wir schon da draußen verschwinden müssen, sollten wir wenigstens so wenig Zeit wie möglich dort verbringen.«
»Na dann, lasst uns sehen, ob wir alle an den Tisch passen.« Tian nahm Lupin den Umhang ab und breitete ihn zusammen mit seinem Sohn aus.
»Remus, du solltest vielleicht vorne stehen, als erster rausgehen … und dann links und rechts … Stellt euch seitlich, dann passen wir alle ran!«
Das Chaos verwandelte sich allmählich in ein geordnetes. Ein paar Rempeleien hier, ein paar Ellenbogenstöße da … und die mit langen Armen konnten in der zweiten Reihe stehen. Keira ergatterte sich den Platz gegenüber von Lupin. Liza war zwischen Tian und Bill eingeklemmt, die sie stützen konnten.
»Das sieht doch ganz vernünftig aus.«, stellte Lupin nach nicht mal einer Minute fest. »Am besten geht ihr nach dem Reißverschlussprinzip hinaus.«, fügte er noch hinzu, als er sich zum Eingang drehte.
»Remus?«Das war Keira. »Ja?«
»Fang an zu zählen, wenn du Johnny kommen siehst.«
»Schaffst du das?«
»Eh du bis drei gezählt hast?!«, neckte sie ihn und Lupin drehte sich wieder nach vorn.
»Habt ihr alles? Nichts und niemanden vergessen? - Dann lasst uns frische Luft schnappen!«


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